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Online-Standard 17. Oktober 2005
Erstes TV-Interview eines Papstes
Benedikt XVI. preist "Freundschaft" zu Johannes Paul II. und will "so Gott es will" im nächsten Jahr nach Polen reisen.

Rom/Warschau - Als erster Papst der Geschichte hat Benedikt XVI. ein Fernsehinterview gegeben. Er sprach am Sonntagabend rund 15 Minuten im polnischen Fernsehsender TVP und erinnert dabei an die Wahl seines Vorgängers Johannes Paul II. am 16. Oktober 1978. Zugleich stellte Joseph Ratzinger in dem kurzen Gespräch einen Besuch in Polen im nächsten Jahr in Aussicht. "So Gott will, werde ich im kommenden Juni Polen besuchen."

Das Gespräch mit dem polnischen Jesuitenpater Andrzej Majewskir war am 20. September in der päpstlichen Sommerresidenz Castelgandolfo aufgezeichnet worden. Es wurde auf Italienisch geführt. Erst kürzlich hatte Benedikt Radio Vatikan ein Interview gegeben. Dagegen galt bis vor kurzem die Regel: Päpste geben keine Interviews.

In dem 16-minütigen Interview sprach Benedikt XVI. über die langjährige enge Beziehung zu seinem Amtsvorgänger. "Wir haben uns 1978 im Konklave kennen gelernt", sagte Benedikt XVI. Von Anfang an sei ihm der polnische Kardinal mit "Freundschaft" begegnet. Der Papst äußerte sich auch über die letzten Stunden von Johannes Paul II. Dieser sei bei Bewusstsein gewesen und habe "erkennbar gelitten". "Er erteilte mir den Segen, er war nicht mehr in der Lage zu sprechen", sagte Benedikt XVI.

Für seine eigene Amtszeit kündigte der Papst an, er wolle sich um die Wahrung des "überreichen Schatzes" der Hinterlassenschaft von Johannes Paul II. kümmern. Er betrachte es nicht als seine Aufgabe, dem "zahlreiche Dokumente" hinzuzufügen.

Die geplante Seligsprechung Johannes Pauls war allerdings nicht Thema des Gesprächs. Ratzinger unterstrich die besondere Bedeutung seines polnischen Amtsvorgängers: Er habe eine "neue Sensibilität für moralische Werte" geschaffen. "Aber auch für die Nichtchristen und für andere Religionen war er der Sprecher der großen Werte der Menschheit." Zudem sei durch Johannes Paul eine neue Sensibilität und Offenheit "für die religiöse Dimension im Menschen" entstanden.

Vor allem aber habe der am 2. April gestorbene Papst die Jugend begeistern können. "Das ist etwas Neues, wenn wir an die Jugend der 68er und die der 70er Jahre denken." Dies habe nur eine "Persönlichkeit mit diesem Charisma erreichen können", meinte Ratzinger.

Zum Abschluss des Interviews erteilte der Papst den Zuschauern auf Polnisch den Segen. (APA/dpa/AFP)

 
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